Kunstfälschungen
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Prof. Dr. Josef Riederer:

Kunstfälschungen

 

Meine Arbeit auf dem Gebiet der naturwissenschaftlichen Untersuchung von Objekten aus dem Bereich der Kunst- und Kulturgeschichte brachte es mit sich, dass mir auch Stücke fraglicher Herkunft vorgelegt wurden. Dabei hat sich gezeigt, dass die Materialanalyse die kunstgeschichtliche oder archäologische Beurteilung nachhaltig unterstützen kann. Dem Naturwissenschaftler stehen zur Prüfung der Echtheit von Kunstwerken vier Ansatzpunkte zur Verfügung. Erstens kann das Material analysiert werden, um zu prüfen, ob die zur Herstellung eines Objekts verwendeten Werkstoffe zur angeblichen Entstehungszeit verwendet wurden. Zweitens können mit der gleichen Zielsetzung  die technologischen Merkmale untersucht werden, da Fälschungen in der Regel nach modernen Verfahren hergestellt werden. Drittens haben sich Untersuchungen an Alterungsmerkmalen als sehr aussagekräftig erwiesen, da sie in langen Zeiträumen entstanden und in fälscherischer Absicht nicht nachgeahmt werden können. Viertens lassen sich Verfahren der absoluten Altersbestimmung zur Echtheitsprüfung einsetzen, da viele Alterungsphänomene so kontinuierlich ablaufen, dass sie ein Maß für das Alter sind.

Eine Vorbemerkung erscheint mir wichtig: Die Zahl der Kunstfälschungen im eigentlichen Sinn, die von Vorne herein in betrügerischer Absicht hergestellt wurden, ist relativ gering. Ungleich größer ist die Zahl der Objekte, die in jüngerer Zeit ohne die Absicht einen Käufer zu schädigen, hergestellt wurden und dann erst, aus Unkenntnis oder nun mit der Absicht zu täuschen, als Original ausgegeben werden. Dies gilt in erster Linie für die legal und in großer Zahl hergestellten von Kopien, die an Orten in der Nähe von Ausgrabungen hergestellt und als Souvenir angeboten werden. Dies gilt auch für die ebenfalls sehr große Zahl von Kopien von Objekten, die im 19. Jahrhundert von einer Reihe spezialisierter Firmen hergestellt und mit Hilfe von Katalogen vertrieben wurden, um in dieser Zeit die große Nachfrage nach historischen und antiken Gegenständen zu befriedigen. Da bei solchen Objekten nie versucht wurde, zur Herstellung Materialien zu verwenden, die denen der Originale ähnlich sind, bietet sich die Materialanalyse geradezu an, sie an den modernen Materialien und an den Spuren moderner Herstellungstechniken zu erkennen.